fbpx

Retrograde versus Bolus Botulinumtoxin Injektionen im Gesicht

Kürzlich veröffentlichte Studien demonstrieren eine bessere Wirksamkeit der retrograden Injektion von Botulinumtoxin A, da auf diese Weise die neuromuskulären Synapsen gezielter und besser erreicht werden.  

Retrograde Injektion

Bei einer retrograden Injektion wird das Präparat beim langsamen Zurückziehen der Nadel in die Haut injiziert, wohingegen Bolus Injektionen dazu dienen, eine definierte Menge des Präparats in einem kurzen Zeitraum zu spritzen.  

Wirkmechanismus Botulinumtoxin

Die neuromuskulären Synapsen, auch motorische Endplatten genannt, übertragen die Erregung von einer efferenten Nervenfaser auf die Muskelfaser eines Skelettmuskels, wobei Acetylcholin als Neurotransmitter dient. Sie dienen der Übertragung von Aktionspotenzialen und lösen letztendlich eine Muskelkontraktion aus.

Da das Botulinumtoxin die Freisetzung des Neurotransmitters Acetylcholin an der motorischen Endplatte blockiert, ist es das Ziel, die neuromuskulären Synapsen mit der Botulinumtoxin Injektion gezielter zu erreichen.  

Welche Rolle spielt die Anatomie?

Die neuromuskulären Synapsen sind je nach Muskel unterschiedlich angeordnet. So liegen diese beim Musculus depressor labii inferiors beispielsweise in Clustern vor und bei anderen Muskeln wie dem Musculus orbicularis oculi oder dem und Musculus corrugator supercilii in einem homogenen Verteilungsmuster.

Evidenzbasierte Medizin

Eine 2021 veröffentlichte Studie von Labbe et al., thematisiert den Unterschied der Wirksamkeit von Botulinumtoxin A in retrograden und Bolus Injektionen zur Behandlung von Glabella-, Stirn- & lateralen Augenfalten. Bei der retrograden Injektion des Botulinumtoxins A wurden die anatomischen Variationen der neuromuskulären Synapsen beachtet.

Dabei wurde das Präparat 10 Patienten mittleren Alters in die rechte Gesichtshälfte injiziert, wobei in linke Gesichtshälfte als Kontrollseite mit Bolus Injektionen unterspritzt wurde.  

Retrograde oder Bolus Injektion?

Das Ergebnis am 8. Tag nach der Injektion wies bei 9 von 10 Patienten ein signifikant besseres Ergebnis im Hinblick auf das Erscheinungsbild der Augenfalten (Musculus orbicularis oculi) und der Glabellafalten (Musculus corrugator supercilii) der rechten retrograd unterspritzen Gesichtshälfte auf. 

Die Stirnfalten dagegen zeigten keinen Unterschied des Erscheinungsbildes der Haut zwischen retrograder und Bolus Injektion unabhängig von der Gesichtshälfte.  

Fazit

Daraus lässt sich schlussfolgern, dass aufgrund der variierenden Gesichtsmuskulatur die Muskeln mit homogener Anordnung der neuromuskulären Synapsen besser auf retrograde Injektionen des Botulinumtoxins reagieren. So können in diesen Muskelgruppen optimale Ergebnisse erzielt und gleichzeitig die Injektionsstellen und damit die Schmerzen minimiert werden.

Zusätzlich können niedrigere Dosierungen verwendet und damit die Behandlungskosten gesenkt werden. Zuletzt wird die unerwünschte Verbreitung des Produkts in den benachbarten mimischen Muskeln verringert. 

Jedoch muss drauf hingewiesen werden, dass weitere Studien angebracht sind, um das Ergebnis dieser Studie zu stützen.

Inhaltsverzeichnis

Literaturverzeichnis

  1. Pub Med Ann Chir Plast Esthet. „Retrrograde vs spot botulinum toxin facial injection” D. Labbe et al. 2021 
  2. Terminologia Histologica: International Terms for Human Cytology and Histology von Federative International Committee on Anatomical Terminology 2008